7te See- 1. Spieleabend

Hier ein Tagebucheintrag des Marquis de Molays

„Abalonien, Avalon oder Ravalon, wie auch immer man dieses Barbarenland nennen mag. Was hat mich nur hierher gebracht? Ein Land voller Regen, matschigen Straßen und nicht zuletzt warmen Bier!

Plötzlich wachte ich am Rand eines Weges auf. Prasselnder, kalter Regen. Wolken hingen tief am Himmel. Um mich herum nichts als dunkle rasuchende Wälder, eine stinkende Wirtschaft und ein pochender Kopfschmerz. Wie war ich hierhergekommen? Mein samtbestickter Schuh trat in eine weitere Pfütze. Dunkle Rinnsalen benetzten meine Seidenstrümpfe. Nun sah ich aus wie ein Barbar. Pardon moi: Wie ein Avalonier. Wobei sie sich ganz in den schlammigen Dreck geworfen hätten, ohne dass man eine Veränderung bemerken hätte können. Plötzlich sah ich einen hageren Mann mit eigenartiger Brille. Vermutlich ein Diener. Er nannte sich Dr. Dee. Doch anstatt meiner Wenigkeit einen Vin rouge zu bestellen, schmiss der widerwärtige Kerl mein Gepäck in den Sumpf. Was waren das für Menschen hier! Mein Eau de Varneau war in dem Rucksack. Doch es kam noch schlimmer: Auf dem Weg in das Gasthaus versuchten kleine Avalonier mich mit Pferdedreck zu beschmeißen. Es reichte! In dem Gasthaus orderte ich umgehend einen Wein. Auch traf ich dort einen seltsamen Mönch. Er kannte sich zumindest soweit in der Etikette aus, dass er meiner Hoheit einen Wein bestellte und servierte. Diesen wiederum dekantierte meine Kammerdienerin. Ein Mensch in bunten Farben, den ich als „lindgrüne Hose“ erkannte, rettete meinen Abend: Er versprach größere Mengen eines Weines – gegen eine entsprechende Salere – an meine Familie zu liefern. Außerdem spielte ein weiterer Diener, der ganz an seiner schwarzen und eintönigen Tracht und dem einfachen Wesen seines Charakters zu erkennen war, Gitarre. Auch der Mönch erkannte zunehmend seine Stellung und trank mit der lindgrünen Hose vermutlich zu viel.

Jetzt liege ich auf meinem Zimmer. Der Regen prasselt, das Wirtshaus stinkt nach Schweiß, warmen Bier. Alle haben ihre Rolle in der einfachen Dienerschaft erkannt; ich werde sie dementsprechend bezahlen. Einzig frage ich mich, warum sie ständig von einem Duelle erzählten, an welchem meine Person beteiligt gewesen sein soll. Und von irgendeinem Schi redeten. Ich denke die spinnen, die Avalonier…“

© 2007-2015 Terese Nielsen "Montaigne" http://www.tnielsen.com/
© 2007-2015 Terese Nielsen „Montaigne“ http://www.tnielsen.com/

 

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