Rollenspiel – Ein Beispiel

„Würfel mal mit dem W20 und addiere deine Intelligenz“.

Ein zwanzzigseitiger Würfel klackert über den Tisch. „14, also… 20“. Alle schauen gespannt drein. „Du schaffst es Liane zu betören. Sie wendet sich dir lächelnd zu und gibt dir einen sanften Kuss auf die Wange.“ — Leider ist dies oft das real existierende Rollenspiel. Einige Leute sitzen um einen Tisch, es wird viel gewürfelt, man kämpft hin und wieder und bekommt eine Geschichte erzählt.

wuerfel

Für mich bedeutet Rollenspiel tatsächlich in eine Rolle zu schlüpfen. Und das heißt: Stimmungsvolle Beschreibungen, Ausspielen der eigenen Aktionen, Regeln so so viel wie nötig (v.a. im Kampf) und so wenig wie möglich.

„Alesander wendet sich Liane mit einer fast unmerklichen Bewegung zu. Seine Hände formen Kreise auf dem Tisch . Kreise wie eine Welt. Welche Welt? Seine — oder die von Liane? Vielleicht ihre gemeinsame Welt?“

Der Spielleiter flüstert und mimt am Spieltisch Liane gestisch und stimmlich nach. Er flüstert: „Alesander, manchmal frage ich mich ob wir Aemonsfelde jemals erreichen“. Er sieht sich – immer noch Liane nachahmend – vorsichtig im Raum um und spricht noch leiser: „Glaubt ihr, dass wir hier wirklich sicher sind?“ Der Spieler von Alesander antwortet: „Alesanders Hand legt sich auf Lianes Hand. Mit fester Stimme antwortet er beruhigend: „Ja, ich habe vorher auch die Ställe und die Umgebung kontrolliert.“ Er schaut sie lange an. Dann stottert Alesander beinahe: „Ich hoffe, dass wir dort ankommen. Ich… ich würde mich freuen, dich in meinem Haus als Gast begrüßen zu dürfen… und… auch als… Freundin, mit der ich…“ Der Spielleiter sagt:  „Liane wendet sich dir lächelnd zu und gibt dir einen sanften Kuss auf die Wange“.

Gasthaus

Kurzum: Das glaubhafte Ausspielen ist aus meiner Sicht die Grundlage des Rollenspieles. Gewürfelt wird auch. Aber es sollte nicht im Vordergrund stehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.